Der majestätische Blick der Berge, die Sonnenstrahlen, die im Morgengrauen und bei Sonnenuntergang orangene - und lila Nuancen auf die Dolomitenfelsen zaubern, aufgrund dieser Naturphänomene, bis heute wurde noch keine wissenschaftliche Erklärung dafür gefunden, und den geschichtlichen Vorkommnissen, wurden diese für die Bevölkerung zum Mythos. So wurden Wälder, Felsen, Böschungen und Seitentäler des Val di Fassa mit Fabelwesen erdacht wie: die Vivenes, weibliche Wesen, schöne und freundliche Frauen, die in den Bergen und an Flüssen lebten, die Bregostènes, hässliche, hinterlistige Frauen, die Stries, bösartige, niederträchtige Frauen, die Salvans, wilde, beleidigende Männer, Zwerge und viele andere. Geschichten die an den langen Winterabenden in der warmen Stube (der Aufenthaltsraum, in dem die Familie am Tage zusammenfand) von Generation zu Generation weitererzählt wurden. Märchen, die überwiegend von den Frauen an ihre Töchter weitergegeben wurden, die eine wesentliche Rolle in der Erhaltung des Ladinischen und des Kulturellen (über Jahrhunderte nur sprachlich weitergegeben) hatten. Auch im Val di Fassa hat in den vergangenen Jahrhunderten die Frau unter Vormundschaft gelebt, zunächst des Vaters, dann des Ehemanns oder Bruders und hatte kein Recht, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Im Hause jedoch war sie der Mittelpunkt der Familien und nicht zufällig beziehen sich die lad. Legenden auf weibliche Protagonisten.
Neben den Geschichten über einzelne Personen, wahre Zeitgeschichten wie z.B. die Fanes (eine Volksgruppe aus den Dolomiten, die nur teilweise sagenumwogen ist) die im Val di Fassa teilweise angesiedelt war und die in einem Fest "Festa ta Mont" gefeiert wird, das seit einigen Jahren im Nicolòtal, oberhalb von Pozza di Fassa Anfang August stattfindet. Berge und Orte stehen dabei immer im Vordergrund, da die Legenden immer an exakten Stellen entstehen und stattfinden. Die Marmolada, Sass Pordoi, Langkofel und Catinaccio sind verzauberte Orte. Besonders der "Rosengarten", über den viele Geschichten erzählt worden sind. Seit ein paar Jahren ist ein Sommerweg für Kinder und Familien eingerichtet worden "Do l troi de la conties" (ein Märchenwanderweg), ein schöner Spaziergang in 6 Etappen, 6 Märchen, wo man die Abenteuer eines Königs, Prinzessinen, Hexen und Hirten, die dort in der Vergangenheit Gestalt angenommen haben, erleben kann.
Heute gibt es viele Bücher, die von den Legenden des Val di Fassa erzählen, Hugo de Rossi und Karl Felix Wolf sind bei der Sammlung und Erzählung in ihren Büchern wohl immer noch die besten Verfasser. De Rossi (1875-1940) hat im Jahre 1912, nach gewissenhaften Nachforschungen der Geschichten, die von älteren Menschen erzählt wurden, das Buch "Fiabe e leggende della Val di Fassa" (Märchen und Legenden des Val di Fassa) geschrieben. Aus dieser Arbeit entnahm auch Wolff (1879-1966) Informationen und veröffentlichte das Buch "I Monti Pallidi" (Die bleichen Berge).







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